Rollatoren und anderes Ungemach

(Dieser Artikel widme ich einem Patienten, der für diese Geschichte Pate stand und letzte Woche verstarb, möglich als Folge einer Lungenentzündung, die er sich holte, als er bei 3 Grad Aussentemperatur ohne Jacke spazieren gegangen war mit und an seinem Rollator und man ihn oben auf einem Hügel zurückfand. ) Ich war mal wieder im Seniorenheim unterwegs. Herr Verbruggen, Name geändert, ist seit einigen Monaten nach einem Unfall im Heim untergebracht. Er wurde von einem Auto auf dem Zebrastreifen buchstäblich über den Haufen gefahren und brach sich dabei beide Kniescheiben, Knochen im Becken und 5 Rippen. Er sollte im Heim bleiben bis er wieder nach Hause kann zu seiner Frau, obwohl er Zeichen einer beginnenden Demenz zeigt. Das kann aber auch ein sogenanntes Übergangssyndrom sein. Ein Übergangssyndrom ist eine vorübergehende kognitive Störung ( Vergesslichkeit u.a.) nach z. B.einem operativen Eingriff mit Vollnarkose. Spätestens nach 6 Monaten ist das oft wieder in Ordnung, mehr oder weniger. Da ich den Patienten nicht vor dem Unfall kannte, habe ich keinen Vergleich mit seinen Fähigkeiten vor dem Unfall. Seine Frau sagte, er sei aber schon länger etwas vergesslich, aber nicht so wie jetzt. Unser Behandlungsziel in diesem Fall war ganz klar. Wieder laufen lernen, damit er zurückkehren kann nach Hause. Seine Frau wollte das auch unbedingt. Seit etwa einem Monat läuft er wieder, sei es, dass er die Knie nicht ganz streckt obwohl er es könnte. Sie tun ihn kaum noch weh beim Laufen. Laufen allerdings nur an einem Rollator, je nach Akzeptanz von manchen Patienten liebevoll "Wägeli", von Herrn Verbruggen aber konsequent "das Ding" genannt. "Herr Mabou", fragte er mal (er kennt meinen Namen......fast) "muss ich mit dem Ding da laufen? Das gehört mir ja nicht mal. " "Ja, immer. Damit Sie mir nicht umfallen. Und es gehört Ihnen schon. Es steht ja ihr Name drauf", erwiderte ich. " Es heissen viele Leute Verbruggen", sagte er. "Stimmt", sagte ich " aber die sind nicht in Zimmer 6"."Das stimmt auch wieder " gab er zu. Meine Argumente und Antworten werden von ihm eigentlich (fast) immer akzeptiert. Letzte Woche war ich wieder mal da um zu therapieren. "Wie geht es Ihnen Herr Verbruggen?" "Nicht gut", sagte er. Meinen Name nennt er eigentlich nur, wenn ich ihn danach frage. "Ich habe Schmerzen in beiden Knien." "Seit wann?, fragte ich, denn er hatte seit mehren Wochen keine Schmerzen mehr angegeben. "Solange ich mich erinnern kann", erwiderte er. Das heisst nicht unbedingt, dass er schon lange Schmerzen hatte, denn wie er sich vor ein paar Stunden gefühlt hatte, wusste er wahrscheinlich schon nicht mehr. Kognitive Störungen erkennt man u.a. daran, dass der Patient Wissenslücken versucht zu schliessen mit Allgemeinheiten und Kalauer. "Sind sie noch gelaufen?". Herr Verbruggen ging seit einiger Zeit selbständig an seinem Rollator runter in den Esssaal. "Ja", sagte er, "immer". "Mit dem Rollator?" und ich schaute mich um, wo das Ding stand. Meistens stand es wenig liebevoll in einer Ecke des Zimmers parkiert. Jetzt war da gähnende Leere. "Rollator?" "Ja, Rollator. Wissen Sie, das Ding, dass Sie so lieben". " Ich laufe immer ohne". "Seit wann", verwunderte ich mich. "Immer schon." sagte er. Wie gesagt, heisst immer nicht viel in diesem Zusammenhang. Ich schaute dennoch mal nach auf dem Korridor. Da lassen die Pflegefachfrauen manchmal den Rollator stehen, damit mehr Platz im Zimmer ist. Kein Rollator weit und breit. Nachfrage im Pflegebüro ergab, dass Herr Verbruggen immer alleine zum Essen ging an seinem Rollator. "Aber der ist jetzt nicht im Zimmer", sagte ich. Die Pflege versprach nachzuschauen. In dem Moment kam eine Pflegehilfe um die Ecke mit einem Rollator vor sich hinschiebend. Auf dem gelben Kärtli stand der Name "Herr Johann Verbruggen. Zimmer 6.". "Der Stand im Esssaal neben einem Tisch," beantwortete die Pflegehilfe auf meine unausgesprochene Frage. Damit war auch geklärt, wiese diese Knieschmerzen. Herr Verbruggen war ohne Rollator durch das ganze Heim zurück in sein Zimmer "geschlurft". Wo sein Zimmer ist, weiss er allerdings sehr gut. Auch ohne Rollator.

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Info: Den Rollator in seiner modernen Form erfand 1978 die Schwedin Aina Wifalk, die aufgrund einer Kinderlähmung selbst gehbehindert war. Dem Gehbock mit vier Rollen fügte sie Handbremsen und eine Sitzfläche zum Ausruhen hinzu. Dank seines robusten Gestänges und seiner größeren Räder, von denen die vorderen lenkbar waren, eignete sich das Gerät auch für die Verwendung im Freien und erhöhte damit die Mobilität der Nutzer. Über den schwedischen Entwicklungsfonds fand Aina Wifalk Kontakt zu einem Unternehmen, das einen Prototyp anfertigte.[ Der Produktname Rollator setzte sich mit der Zeit in zahlreichen Sprachen als Gattungsbegriff durch.Seit den 1990er-Jahren sind Rollatoren auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet und können ärztlich verordnet werden. Die Absatzzahlen von Rollatoren haben sich seit der Einführung vervielfacht. In Deutschland etwa wurden 2007 über 500.000 Stück verkauft. Neben Sanitätshäusern und Internethändlern bieten auch große Supermärkte und mitunter Discounter Rollatoren als Aktionsware an. Orthopädische Roller zur Fußentlastung sind seit Ende der 1980er Jahre vor allem in England und in den USA verbreitet. In Deutschland sind die Geräte bisher noch wenig bekannt. Gesetzliche Einordnung und Normen. In Deutschland sind Rollatoren anerkannte Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Hilfsmittelverzeichnis der GKV listet sie unter der Produktgruppe 10.50.04.1 als „Vierrädrige Gehhilfen (Rollatoren)“ auf. Die Kosten für einen aus medizinischen Gründen notwendigen Rollator, sei es für den Kauf oder die Ausleihe, werden von den Krankenkassen übernommen, allerdings meist nur bis zur Höhe des Regelsatzes.Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Recklinghausen aus 2014 muss ein Vermieter es dulden, dass ein gehbehinderter Mieter seinen zusammengeklappten Rollator neben der Hauseingangstür abstellt, wenn dadurch niemand beeinträchtigt oder behindert wird.Innerhalb der EU müssen Rollatoren die Europäische Norm EN ISO 11199 Teil 2 vom August 2005 erfüllen.Rollator als AlterssymbolIn der allgemeinen Wahrnehmung steht der Rollator heute, wie früher z. B. die Brille oder der Gehstock, für das Altsein an sich. Auch in der modernen Popkultur, etwa im Film oder in der Musik, ist er zum ikonischen Bild des Alterns geworden.So nennt sich eine britische Seniorenrockband, die in ihren Songs die Probleme des Altwerdens und der Immobilität thematisiert, The Zimmers. Der Name geht auf die Markenbezeichnung zimmer frame (kurz zimmer) des Herstellers Zimmer Biomet Holdings zurück, der im britischen Englisch als Gattungsname für Rollatoren verbreitet ist. Ganz ähnlich nennt sich die älteste Rockband Hessens Die Rollators. (aus Wikipedia)

Rollator

 

 



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