Die Sache mit der Babylüge (durch Angelika Hardegger von der "Neuen Zürcher Zeitung")

 

Als Baby wird Sarah Ramani Ineichen von Schweizer Eltern adoptiert. 35 Jahre später sucht sie in Sri Lanka die leibliche Mutter. Sie findet heraus, dass ihr zweiter Vorname eine Lüge ist, der Geburtstag vielleicht auch. Und sie ist bei weitem nicht die Einzige.

 

Am 5. März 1981 unterzeichnet Neranjala Kandeepan* die Lüge.

 

Ich, Neranjala Kandeepan, wohnhaft in 87810, 2nd Lane Kuruppu Road Borella, Buddhistin, erkläre, dass ich die Mutter von Ramani bin, geboren in der Castle Street Maternity in Borella am 23. Februar 1981.

 

Frau Kandeepan erhält 30 Dollar für die Unterschrift. Sie lebt im Armenviertel von Colombo. Sie braucht das Geld.

 

Ich gebe mein volles Einverständnis zur Adoption gemäss dem Amendment of Children’s Act Nummer 38. Ich kenne und verstehe die Konsequenzen einer Adoption und habe keinen Anspruch mehr auf das Kind. Ich gebe mein Einverständnis an Herrn und Frau O., wohnhaft in der Schweiz, derzeit wohnhaft an der 282/7 Galle Road, Colombo.

 

Herr und Frau O. sind ein junges Paar. Er ist 32, im Bauwesen tätig, mit eigenem Büro; sie 29, eine attraktive Frau, Sekretärin. Frau O. könnte eigene Kinder bekommen. Aber das Paar will ein Baby aus Sri Lanka adoptieren, eines, das Schutz braucht. Also reisen sie nach Sri Lanka und holen Ramani. (Foto: © Bereitgestellt von Neue Zürcher Zeitung AG)

 

Das erste Foto von Ramani hatten Herr und Frau O. per Post erhalten. Verschickt wurde das Foto in Bollingen am Zürichsee, Kanton St. Gallen. Dort betreibt Alice Honegger ein Mütterhaus und eine Adoptionsvermittlung. Seit 1979 vermittelt die damals 65-Jährige Kinder aus Sri Lanka in die Schweiz. Das Geschäft ist lukrativ. 1981, in dem Jahr, in dem Ramani in die Schweiz kommt, weist Alice Honegger einen Gewinn von 97 000 Franken aus. Das geht aus einem Bericht hervor, den der Kanton St. Gallen über die mittlerweile verstorbene Alice Honegger publiziert hat.

 

Am 16. März 1981 telegrafiert die Schweizer Fremdenpolizei ein Visum für Ramani in die sri-lankische Hauptstadt Colombo. Herr und Frau O. steigen mit dem Säugling in das Flugzeug. Sie geben ihr einen deutschen ersten Vornamen, Sarah. Vom Flughafen aus fahren sie heim ins Einfamilienhaus in Nidwalden, sieben Zimmer, Erstklassküche, Aussicht auf den See.

 

Um die 700 Schweizer Paare haben in den achtziger und neunziger Jahren ein Baby aus Sri Lanka adoptiert. Woher die Kinder kamen, wollte kaum jemand so genau wissen. Jetzt holt die Vergangenheit alle Beteiligten ein. Denn die Kinder sind erwachsen geworden – und sie forschen nach.

 

2017 machte der niederländische Fernsehsender Zembla publik, dass zu jener Zeit Tausende Säuglinge mit gefälschten Identitäten zur Adoption nach Europa freigegeben wurden. Die sri-lankische Regierung bestätigte in der Sendung die Existenz von «Baby-Farmen», wo Mütter und Kinder bis zur Adoption untergebracht waren. Laut den Recherchen von Zembla gab es auch Adoptivkinder, die ihren Müttern gestohlen wurden. Andere Mütter wurden offenbar genötigt, die Kinder für wenige Rupien wegzugeben.

 

In der Schweiz ist die Aufarbeitung des Skandals 2018 angelaufen, vorerst in St. Gallen, wo mit Alice Honegger die wichtigste Adoptionsvermittlerin tätig war. Vor drei Wochen hat der Kanton seinen Bericht über Honegger und deren Aufsicht durch die Behörden veröffentlicht. Das Fazit: Die zuständigen Stellen beim Kanton haben ihre Aufsicht «ungenügend» wahrgenommen. «Man drückte öfter ein Auge zu und sah nicht genau hin.»

 

Juli 1980. Claude Ochsenbein, Schweizer Botschafter in Colombo, erhält Post vom Bundesamt für Ausländerfragen in Bern.

 

Obschon bis heute keine ernsthaften Klagen gegen Frau Honegger bekanntgeworden sind, haben sich einzelne Stellen, die sich mit dem Pflegekinderwesen befassen, beunruhigt über die Vermittlertätigkeit geäussert. (. . .) Sollten Sie (. . .) den Eindruck gewinnen, es handle sich um einen lukrativen Kinderhandel, sind wir Ihnen für einen entsprechenden Hinweis dankbar.

 

Im selben Monat deponiert ein Ehepaar beim St. Galler Justiz- und Polizeidepartement eine Beschwerde. Das Paar wollte ein Kind adoptieren. Die Frau gibt zu Protokoll, das Beratungsgespräch mit Honegger sei «schockierend» verlaufen. Von Beratung könne kaum gesprochen werden. Das Gespräch habe sich nur um Geld gedreht.

 

Eineinhalb Jahre später, im Januar 1982, berichtet die New Yorker Tageszeitung «Daily News» von einer Razzia in einer «exportorientierten Babyfarm» in Sri Lanka. Die Babys würden den leiblichen Müttern für 250 bis 300 Rupien abgenommen und für das 140- bis 300-Fache an europäische Adoptiveltern verkauft. Im Mai 1982 titelt der «Tages-Anzeiger»: «Baby-Schmuggel auch nach der Schweiz».

 

Die «Schweizer Illustrierte» legt einen Artikel nach. Der Journalist bezeichnet Honegger als «Bollinger Maklerin» und lässt eine in Sri Lanka lebende Nonne sprechen. Die Nonne sagt, «dass man bei bestimmten Agenten auch Kinder bestellen kann, die noch gar nicht gezeugt worden sind. Sobald die ‹Bestellung› vorliegt, wird ein Mädchen, das mit dem Geschäft einverstanden ist, geschwängert und liefert nach neun Monaten die Ware ab.»

 

Im Herbst 1982 erhält der Vormundschaftsdienst des Kantons St. Gallen einen Brief von einem Ehepaar. Das Paar ist nach Sri Lanka gereist und ohne Kind zurückgekehrt. Die Frau schreibt, Alice Honegger habe ihr in Sri Lanka mehrere Kinder angeboten. «Das zweite Kind war ein herziges. Aber ich konnte mich nicht entscheiden, ich hatte einen Schock und gab das Kind zurück. Frau Honegger sagte, ich könne bis zu 50 Kinder anschauen – bis mir eines gefalle. Da ich diesen Kinderhandel nicht durchstehen konnte, kehrte ich nach Hause zurück.»

 

In Colombo wird Botschafter Claude Ochsenbein durch die Presseberichte aufgeschreckt. Er beginnt über das Milieu der privaten Adoptionsvermittler zu recherchieren. Einige Zeit später schickt er einen ausführlichen Bericht nach Bern. Ochsenbein schreibt, es handle sich bei den Schwangeren oft um ledige Frauen aus ländlichen Gebieten, die nicht rechtzeitig hätten abtreiben können. In Colombo fielen sie in die Hände von «luschen Schleppern».

 

Ochsenbein berichtet auch von einer Begegnung mit einem reichen Schweizer Arzt vor Ort. Dieser habe ihm anvertraut, dass er keine Zeit zu verlieren habe und sein Kind noch diese Woche bekomme, «koste es, was es wolle». Wenige Tage später sei er mit einem Bébé in die Schweiz zurückgereist.

 

Herr und Frau O., die Eltern von Ramani, lassen sich bald nach der Rückkehr in die Schweiz scheiden. 1983 kommt es zum Sorgerechtsstreit. Der Gemeinderat des Wohnortes lässt das Kind in der Obhut der Mutter. Aus Sicht der Bedürfnisse des Kindes seien zwar «nicht alle optimalen Voraussetzungen» erfüllt, heisst es in den Akten. Ein Wechsel in eine andere Familie sei dennoch die schlechtere Option.

 

Der Pflegevater verschwindet aus Sarahs Leben. Die Mutter heiratet ein zweites Mal. Sarah realisiert lange Zeit nicht, dass die Mutter nicht die biologische sein kann. Als das Kind sechs ist, sagt ein Gspänli im Kindergarten zu ihr, die richtige Mutter habe sie auf der Strasse ausgesetzt. Sarah rennt heim und fängt an, Fragen zu stellen.

 

Als Sarah elf ist, reist sie mit der Mutter nach Sri Lanka. Die Mutter fragt: «Willst du deine leibliche Mutter suchen?» Sarah ist überfordert. Mit zwanzig will Sarah die Mutter nach Sri Lanka einladen. Jetzt will die Mutter nicht mit. Mit Mitte zwanzig verliebt sich Sarah in einen Mann. Sie zieht zu ihm nach Genf, noch im gleichen Jahr wird sie schwanger. Nach der Geburt bricht die Mutter den Kontakt zu Sarah ab. Warum, weiss Sarah bis heute nicht genau.

 

Im Herbst 2016 fasst Sarah einen Entschluss. Sie will ihre biologische Mutter suchen.

 

 

 

 

 

 

 

Mit 35 beschliesst Sarah Ramani Ineichen, dass sie ihre Mutter suchen will. (Bild: Karin Hofer / NZZ)

 

Sarah schreibt eine Karte an den ersten Vater. Sie sei die Pflegetochter, sie wohne in Genf, es gehe ihr gut, sie sei verheiratet, habe drei Kinder, keinen Kontakt mehr zur Mutter, aber viele Fragen. Zwei Monate später trifft sie den Vater. Er bringt eine Geburtsurkunde mit. Jetzt hat Sarah eine Adresse.

 

Name der Mutter: Neranjala Kandeepan

 

Geburtsdatum der Mutter: 23. 10. 1958

 

Geburtsort: Colombo

 

Wohnort: 78710, 2nd Lane Kuruppu Road Borella

 

Sarah tippt die Adresse auf Google Earth ein, einmal, zweimal, zwanzigmal. Im März 2017 fliegt sie mit der besten Freundin nach Sri Lanka.

 

In Colombo geben die Frauen einem Chauffeur die Adresse an. Aber eine Neranjala Kandeepan wohnt dort nicht. Im angeblichen Geburtsspital, der Castle Street Maternity in Colombo, lässt Sarah Ineichen das Geburtenbuch überprüfen. Am 23. Februar 1981 ist hier kein Kind mit Namen Ramani auf die Welt gekommen. Die Freundinnen suchen die Einwohnerbehörde auf. Eine Neranjala Kandeepan, geboren am 23. Oktober 1958, existiert in Sri Lanka nicht.

 

Sarah Ineichen ist Hebamme. Sie hat das Wunder der Geburt zu ihrem Beruf gemacht. Sie hat früh angefangen, die Umstände der eigenen Geburt zu hinterfragen. Aber statt Antworten findet sie in Sri Lanka nur noch mehr Fragen.

 

Im September 2017, sechs Monate nach Sarah Ramani Ineichens Rückkehr in die Schweiz, macht der niederländische Fernsehsender Zembla neue Recherchen zu den Adoptionen publik. Demnach hatten kriminelle Vermittler vor Ort Schauspielmütter engagiert, um den Adoptionen den Anschein der Legalität zu geben. Eine Frau erzählt in der Sendung, sie sei dafür bezahlt worden, dass sie sich als biologische Mutter ausgegeben und den Verzicht auf das Kind erklärt habe.

 

Im Dezember 2017 reist Sarah Ramani Ineichen mit ihrer Familie erneut nach Sri Lanka. Trotz der Enthüllung über die Schauspielmütter ist sie überzeugt: Wenn sie Neranjala Kandeepan findet, findet sie ihre Mutter. Eine Vertrauensperson vor Ort schlägt vor, im Abstimmungsbüro nach dem Namen zu suchen. Endlich, ein Treffer.

 

Sarah Ramani Ineichen fährt zu der Adresse. Der Ehemann stellt sie vor, sagt, sie komme aus der Schweiz und suche Neranjala Kandeepan. Die Mutter des Hauses, eine breite, grossbusige Frau, holt einen Pass hervor. «Neranjala Kandeepan, das bin ich», sagt sie. Aber sie sagt auch: «Ich bin nicht deine Mutter.»

 

Neranjala Kandeepan ist eine Schauspielmutter. Sie habe 30 Dollar dafür bekommen, dass sie ihre Mutter spiele, erzählt sie Sarah. Die Geburtsurkunde sei gefälscht. Sarah will ihr nicht glauben. «Vielleicht will sie mich verheimlichen», denkt sie. «Vielleicht traut sie sich nicht, vor der Familie zu sagen, dass sie meine Mutter sei.» Die grosse Nase, der Haaransatz, die Augenfältchen. Das müsse doch die Mutter sein, glaubt Sarah. Sie bittet die Frau um einen DNA-Test. Zu Neujahr hat sie Gewissheit.

 

Bei 12 der 15 STR-Loci gab es kein Allel von Frau Neranjala Kandeepan(vermeintliche Mutter), das mit einem Allel von Frau Sarah Ramani Ineichen (Kind) gemeinsam war. Dies ist kein Ergebnis, das von einer biologischen Beziehung zwischen Mutter und Kind erwartet wird. Daraus lässt sich schliessen, dass Frau Kandeepan nicht die biologische Mutter von Frau Sarah Ramani Ineichen ist.

 

Im Januar sucht Sarah Ramani Ineichen einen Traumatherapeuten auf. Sie wisse nicht mehr, wer sie sei, erzählt sie ihm. Ihr zweiter Vorname sei eine Lüge, der Geburtstag vielleicht auch. Im Februar, einen Tag nach dem vermeintlichen Geburtstag, gründet Sarah Ramani Ineichen einen Verein. Über eine amerikanische DNA-Datenbank hat sie eine biologische Cousine gefunden, die in Zürich lebt. Zusammen bauen die beiden «Back to the Roots» auf, eine Anlaufstelle für Schweizer Adoptierte aus Sri Lanka.

 

Der Verein gewinnt rasch Mitglieder. Auch Adoptiveltern treten bei. Manche von ihnen unterstützen ihre Kinder bei der Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Aber nicht alle finden gut, dass die Adoptierten in der Vergangenheit herumstochern. Ein Elternpaar schreibt an Sarah Ramani Ineichen, sie solle doch einfach dankbar sein für das, was sie habe. «Schauen Sie sich die andere Variante an: Sie wären nicht adoptiert worden. Was wäre aus Ihnen geworden? Sie würden möglicherweise, falls Sie überhaupt noch am Leben wären, in einer Abfallgrube Plastikflaschen sammeln, um wirtschaftlich überleben zu können.»

 

Sarah Ramani Ineichen sagt, sie sei dankbar. Dankbar, dass sie eine gute Ausbildung habe machen dürfen. Dankbar, dass sie gesund sei. Aber vielleicht wäre sie auch gesund gewesen, wenn sie in Sri Lanka geblieben wäre. «Und selbst wenn nicht: Niemand kann sagen, ob ich nicht lieber in den Armen meiner Mutter gestorben wäre. Niemand. Ausser mir.»

 

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Die Sache mit der Beziehung.

 

Heute geht eine Beziehung höchstwahrscheinlich zu Ende. Dabei haben Michaela Huser und ich uns so gut verstanden. Jeden Tag hat sie auf mich gewartet. Ungefähr so wie Hachiko, der zehn Jahre lang jeden Tag treu auf sein, schon vestorbenes, Herrchen am Bahnhof gewartet hat. Bis auch er starb. Michaela stand nicht am Bahnhof. Sie war überall. Beim Kreisel in Brugg, beim Ortseingang in Gebensdorf, in Birmensdorf. Und beim Ortsende auch schon wieder. Sie war fast göttlich. Und ihr Name war auch so leicht zu behalten. Ihr Name zwischen all den anderen in diesem Wald an Wahlplakaten.. Alime  Köseciogullari z.B. ist kein guter Name. Nichts gegen Alime Köseciogullari als Person. Weit entfernt!  Aber wenn ich einen Namen in Grossschrift von einem Blatt Papier lesen muss, jedes Mal, wenn ich ihn gebrauchen will, ist mir das zu anstrengend. Der ist zu kompliziert. Nein, da ist meine Michaela Huser schon von einem ganz anderen Schlag. Leicht zu behalten, gut anzusehen und nach unserer kurzen und heftigen Beziehung habe ich 4 Jahre lang meine Ruhe. Sie zieht sich dann zurück in aller Bescheidenheit (ja, sie ist sehr bescheiden, denn ich hatte bis vor kurzem noch nie von ihr gehört) um zu überdenken, was sie bei der nächsten Wahl für ein tolles Foto auf dem Plakat drucken lassen will. Denn die ersten Ergebnisse der Wahlen sind nicht so gut. In Islisberg, der ersten Gemeinde im Aargau, die ihre Stimmzettel gezählt hatte am Sonntag, hat  die SVP nur noch 40% der Stimmen bekommen. Diese Zahlen haben mich dazu veranlasst, mich mal etwas näher mit dieser Grossgemeinde zu befassen, denn vielleicht ist das Ergebnis von Islisberg ja stellvertretend für die ganze Schweiz und hat EMS-Chefin und SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher sich die Ergebnisse aus Islisberg direkt in ihr Hauptquartier faxen lassen.

 

 

Islisberg, liebevoll das Nashornhorn der Schweiz genannt,  ist seit 1983 eine Gemeinde im südöstlichen Teil vom Kanton Aargau mit einer Bevölkerungsdichte von 369 / km², was nach viel klinkt, aber bei einer Oberfläche von 1,65 km² nur insgesamt 609 Einwohner  umfasst, von denen 11,7% (das sind 71,25 Personen) kein Bürgerecht haben und demzufolge  wahltechnisch für Frau Martullo und Michalea völlig uninteressant. Bleiben also 537,75 Personen übrig von denen höchsten 50%  auf Grund ihres  Alters stimmen dürfen. Das sind  268,875 Stimmberechtige, aber da ich nicht  glaube,  dass die 0,875 Person einen Stimmzettel ausfüllen will und kann, runde ich ab auf  268 Stimmberechtigte. Das wären 111 Stimmen für die SVP, aber da schätzungsweise 40% der Stimmberechtigten stimmen, bleiben der SVP 55,5 Stimmen. Sagen wir grosszügigerweise 56.

 

Da werden Frau Magdalena Martullo und Michaela sich aber freuen. Sich freuen darüber, dass Islisberg nicht stellvertretend für die ganze Schweiz steht. Oder doch?

 

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Die Sache mit der Schnee-Eule.

Seit einiger Zeit behandle ich eine Patientin bei ihr zu Hause, was in der Fachsprache Domizilbehandlung heißt. Wenn ein Patient, resp Patientin nicht mobil genug ist zur Praxis zu kommen, dürfen wir, gegen eine entsprechende Entlohnung (Weg- und Zeitpauschale), zu denen nach Hause, um dort die Behandlung auszuführen.

 

Als ich nach einer Behandlung mir die Hände in der Küche wusch und nach draußen schaute, sah ich da, hinter dem Haus, in einem riesigen Vogelkäfig eine schneeweiße Eule auf einem Baumstamm. Die Patientin erzählte auf meine Anfrage, dass es sich um eine Schnee-Eule handle. Sie hätten ein Pärchen (Männchen weiß, Weibchen weiß mit schwarze Federnenden und ein junges Männchen, weiß mit (noch) schwarzen Punkten.

 

Seit kurzen hat dieses Junge (siehe Foto) jetzt einen Namen. Es heisst jetzt „Madou“. Ein Verwandter der Patientin sah meinen Namen auf ein Therapieblatt im Haus liegen und fand den Namen so speziell, dass man sich entschloss, ihn der Eule zuzuordnen. Jetzt habe ich also eine Eule als Patenkind, was mich dazu motivierte, etwas mehr über diese überaus intelligenten („Bescheidenheit ist des Politikers Tod“ sagte schon mein Vater) Tiere herauszufinden.

 

Die Schnee-Eule (Bubo scandiacus, Bubo scandiaca, Nyctea scandiaca, Schneeeule) ist eine Vogel-Art aus der Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae), die zu den charakteristischen Vögeln der arktischen Tundra zählt.

 

Sie galt lange Zeit als die einzige Art der Gattung Nyctea und wurde daher taxonomisch entsprechend isoliert von den anderen Eulenarten betrachtet. Molekularbiologische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass sie zu den Uhus (Bubo) gehört und nahe mit dem Virginia-Uhu (B. virginianus) und dem Magellanuhu (B. magellanicus) verwandt ist. Die äußeren Unterschiede zu den Uhus, etwa die weiße Gefiederfarbe und die dicht befiederten Füße und Zehen, können als Anpassung an den arktischen Lebensraum erklärt werden.

 

Die Schnee-Eule erreicht fast die Größe des Uhus (Bubo bubo). Die Körperlänge ausgewachsener Vögel beträgt etwa 55 bis 66 cm. Die Männchen sind dabei wie bei vielen anderen Eulenarten etwas kleiner als die Weibchen. Sie erreichen im Durchschnitt eine Länge von 58 cm, Weibchen werden dagegen durchschnittlich 63 cm groß. Ähnliches gilt für das Körpergewicht: ausgewachsene Schnee-Eulen wiegen zwischen 1,6 und 2,5 Kilogramm (Männchen durchschnittlich 1700, Weibchen 2100 Gramm). Die Flügelspannweite beträgt 145 bis 157 Zentimeter.

 

Das Federkleid ausgewachsener Männchen wird mit zunehmendem Alter fast völlig weiß. Weibchen und jüngere Vögel haben dagegen dunkle Flecken und Bänder oder Querlinien auf ihrem weißen Gefieder. Die Jungvögel haben ein anthrazitgraues Federkleid.

 

Der Kopf der Schnee-Eule ist rund. Auffällig ist, dass der schwarze Schnabel überwiegend von so genannten „Vibrissen“ bedeckt ist. Dies sind dichte, feine weiße Federn. Die Iris der Augen ist goldgelb gefärbt. Ähnlich wie der Uhu verfügt auch die Schnee-Eule über Federohren; diese sind jedoch deutlich weniger ausgeprägt und werden nur selten aufgerichtet. Die Füße und Zehen sind dicht befiedert – diese dichte, schneeschuhartige Befiederung dient der Wärmeisolation und verhindert, dass die Eule im Schnee einsinkt.

 

Schnee-Eulen sind außerhalb der Brutzeit sehr schweigsam. Während der Balzzeit dagegen gibt das Männchen am Brutplatz ein lautes, raues Krächzen und ein tiefes bellendes „hu“ von sich, was dem Anlocken von Weibchen und der Revierabgrenzung dient. Diese Rufe sind in der Tundra über mehrere Kilometer hinweg zu hören. Das Weibchen lässt während dieser Zeit gelegentlich ein helleres Krächzen hören, das jedoch deutlich leiser ist. Die Vögel haben noch weitere Laute im Repertoire. Dazu gehören zischende Laute, mit denen die Jungeulen die Elternvögel um Futter anbetteln, gackernde „ka.ka.ka“-Rufe als Warnrufe und möwenschrei-ähnliche „Kjaa“-Rufe, wenn sie während der Brut gestört werden.  (siehe für weitere Infos: Wikipedia: Schnee-Eule.

 

Epilog: durchaus Stolz darauf, dass ein so schönes Tier nach mir genannt worden war, fragte ich der Patientin am Ende der Sitzung, in der sie mir eröffnet hatte, wie ihre Eule ab jetzt hieß, wie sie die Eule „Madou“ charakterisieren würde. „Er ist ein Schlitzohr“ sagte sie prompt.

 

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Das Problem mit den Problemen.

 

 

Politiker sind interessante Menschen. Sie stehen an den Strassenrändern abgebildet auf grossen Plakaten. Es sind teilweise die gleichen Plakate wie vor vier Jahren. Nachdem sie gewählt wurden in den verschieden Räten (Bundes-, National- oder Sonstwasrat) und  nachdem sie allen versprochen hatten die verschiedensten Probleme anzugehen, tauchen sie ab um direkt vor den Wahlen in Form von ihren Plakaten wieder aufzutauchen. Was sie in den vergangen vier Jahren getan haben bleibt meist verborgen. Höchstens äussert sich eine oder einer von ihnen positiv zu etwas, was vom Volk gut empfangen wird (‘’ Es ist ja ausgezeichnet, dass die AHV erhöht wurde’’) oder zeigt sich empört, wenn das Volk das auch ist (‘’ Es ist ja unerhört, dass nur eine Erhöhung von  durchschnittlich 0.16%  durchgeführt wurde’’).

 

Ein gewisser Herr D. Trump, seinerzeit angeblich der beste Präsident der USA, kann den Politikern hierzulande aber noch vieles beibringen. Er hat die Menschheit in zwei Gruppen eingeteilt: Die weissen Amerikaner, die für ihn sind und die, die gegen ihn sind und meistens nicht weiss. Die ersten machen nie etwas falsch oder nur wenig, die anderen machen alles falsch, und zwar seit deren Geburt.

 

Wenn ein ProTrumpianer bei einer Strassenkontrolle erwischt wird mit harten Drogen im Auto, wird er wie ein Held gefeiert, denn er wollte natürlich die Drogen, die er gefunden hatte, gerade bei der Polizei abliefern. Ein Latino, der einem obdachlosen Bettler ein Almosen gibt, wird verhaftet, weil er angeblich Drogengeld wäscht und den Alkoholkonsum fördert.

 

Wenn ein Hurrikan auf die USA zukommt, werden alle möglichen Unterstützungen den Bewohnern von Florida zugesagt, vor allem wenn die dort einen Golfplatz ihr Eigen nennen dürfen. Zum Glück hat der Vorschlag des Präsidenten, den Hurrikan mit einer Atombombe zu stoppen, soviel Gelächter ausgelöst, dass er (der Präsident), bekanntgab, man habe ihn missverstanden…wieder einmal.

 

In El Paso tötete ein Mann vor einem Monat 22 Menschen, vor einer Woche schoss ein Mann aus einem gestohlenen Postauto heraus 9 Menschen.

 

Die Reaktion des Präsidenten: ‘’ Wir müssen Menschen, die eine Waffe kaufen wollen, besser ‘checken’, der sgn Hintergrundcheck.’’ Ein entsprechender Gesetzesvorschlag wurde tatsächlich im Senat auch schon angenommen. Auch gab er an, dass er zusammen mit den Demokraten ein neues Waffengesetz ausarbeiten will, was aber schon  wieder, unter Druck der Waffenlobby (NRA z.B.) mehr oder weniger auf Eis liegt.  Und, o ja, der Hintergrundcheck ist viel zu aufwendig um diesen überhaupt durchzuführen. Dafür denkt er darüber nach, ein anderes Gesetz anzunehmen: ‘’Es ist ab heute verboten in der USA, ein Auto zu stehlen und aus dem fahrenden Auto eine Feuerwaffe abzufeuern. Die notwendige Kontrolle über das Fahrzeug sei so nicht gewährleistet’’.  O armes Amerika.

 

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Die Sache mit Herrn Schärer.

 

Frau Hecht ist gestorben. Sie hat ihren 90sten Geburtstag nicht mehr erlebt. Aber es war sowieso fraglich ob sie noch wirklich etwas erlebte. Sie sass den ganzen Tag entweder im Rollstuhl oder lag im Bett. Sie konnte schon seit Jahren nicht mehr gehen und die Arme noch gerade einsetzen, um etwas zum Mund zu führen.

 

Das erste Gespräch, dass ich vor etwa anderthalb Jahren mit ihr führte, war etwas verwirrend. Es war die erste Therapiesitzung, die ich, wie bei allen Patienten im Alterszentrum, in ihrem Zimmer abhielt. Ich begrüsse Patienten immer mit: `` Guten Tag Frau Hecht (oder welcher Name gerade aktuell ist). `` Normalerweise erzähle ich dann wer ich bin (Herr Madou) und weshalb ich komme (Physiotherapie). Bei ihr kam ich nicht dazu, denn sie sagte: ``Ja gruezi Herr Schärer. Schön, dass Sie mich besueche chömmet..``

 

Daraufhin meinte ich, ich müsse sie korrigieren, denn wer war um Himmelswillen Herr Schärer. Also sagte ich, ich heisse Madou und käme, um mit ihr etwas Therapie zu machen. `` Oh, Sie machet Therapie mit mir. Machet Sie nur Herr Schärer.`` Ich versuchte noch einmal, Frau Hecht auf ihren Fehler aufmerksam zu machen und sagte ihr nochmals, ich heisse Madou und nicht Schärer. Als sie dann antworte mit: `` Das ist aber schön Herr Schärer, dass Sie Madou heisset.`` habe ich aufgegeben und seitdem war ich immer Herr Schärer für sie. Wie schlecht es ihr auch ging, an meinen Namen (Herr Schärer)  erinnerte sie sich eigentlich immer.  Ausser wenn sie schlief. In den letzten Monaten schlief sie so gut wie immer. Und sprechen war eher eine Ausnahme oder sie  erzählte so unzusammenhängendes (``Ich muss zum Winzerfest und fahre gleich hin mit dem Zug``.) , dass man sich fragen musste, in welcher Wirklichkeit sie in jenem Augenblick  gerade sei. Bei meinem letzten Besuch, am 5. August, war sie so halbwegs im Schlaf und sehr verkrampft. Mehr noch als immer schon. Arme und Beine durchbewegen ging nur noch mühsam. Einmal öffnet sie die Augen und sah mich an.  Von oben herab, denn ich war gerade mit ihrem rechten Bein beschäftigt. Ein prüfender Blick erschien es mir. Aber da sie nicht mehr sprach war das mehr eine Interpretation meinerseits. Nach etwa zehn Sekunden schloss sie ihre beide Augen. Das Bein in meinen Händen entspannte sich um eine Winzigkeit, sodass ich schlussfolgerte, die sei eingeschlafen. Eine Minute später öffnete sie ihr rechtes Auge. Diesmal sagte ihr Blick (wiederum meiner Meinung und Gefühl nach): `` Ach, sie sind immer noch da. Hören Sie doch auf Herr Schärer, denn mit mir ist nicht mehr viel los.`` Dann schloss sie  das rechte Auge wieder und schlief wieder ein. In der Nacht starb Frau Hecht. 89 Jahre alt.

 

Ich weiss immer noch nicht, wer oder was  Herr Schärer für sie war. Ich werde es auch nie erfahren. Aber ist das so wichtig?

 

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Stellung des Tages: "Wir leiden oftmals nicht an die Folgen von Überforderung, sondern von Unterforderung".

Ab heute sind wir (PhysioMadou) auch auf Facebook. Sieh dir an was gepostet wird und wer uns unterstützt.

 

Unsere Praxisadresse ist:

 

Barzstrasse 3 · 5330 Bad ZurzachTel. 056 249 09 24 · 079 528 67 97

 

Behandlungen nur auf Vereinbarung!

 

 

www.PhysioMadou.ch

 

Wer wir sind

Wir sind eine neue Privatpraxis in der Physiotherapie mit grosser Erfahrung im neurologischen, orthopädischen Bereich sowie im (präventiven) Sport.

 

Was wir leisten

Sie können bei uns behandelt werden auf Verordnung Ihres Arztes, sowohl in unserer Praxis oder bei Ihnen zu Hause (Domizilbehandlungen) Behandlungen ohne ärztliche Verordnung sind auch möglich, müssen aber separat abgerechnet werden.

Kontakt

Vorläufig finden die Behandlungen statt in der Barzstrasse 3 in Bad Zurzach.

Sie können uns erreichen unter 056 2490924, 079 5286797 oder per Mail (physiomadou@gmail.com)

 


Wir lieben, was wir tun


Unser Leitsatz:

"Wenn dir dein Leib lieb ist".