Louise und der Gehbarren

Louise war damals, als ich als Praktikant im Pflegeheim tätig war, schon etwas älter (80 Jahre etwa), sah aus wie die gute, etwas zufüllige einzahnige Fee in dem Film Dornröschen und bekam einmal pro Woche eine Behandlung in unserem Physiotherapieraum. Da sie kaum noch gehen konnte mit ihren 105kg Reingewicht bei geschätzten 150 cm Körperlänge, musste ich sie mit einem Rollstuhl aus ihrem Zimmer abholen und in den Therapieraum bringen. Da stellte ich sie dann vor dem Gehbarren und mit einer Kollegin hoben wir sie dann aus dem Rollstuhl und halfen ihr zum anderen Ende des Gehbarrens zu "gehen". Ihre Hüftgelenke waren nämlich so arthrotisch, dass ihr dasGehen sehr viel Mühe bereitete. An dem Tag, kurz vor Ende meines Praktikums in dieser Pflegeeinrichtung, war die Nachfolgerin, Annemarie hiess sie, meiner Praktikumsbetreuerin, die ihren Mutterschaftsurlaub, an dem ich übrigens schuldlos war, antreten sollte, anwesend, damit ich sie einarbeiten konnte. Für Louise ein Highlight, denn neue Gesichter waren eine willkommene Abwechslung für die Bewohner und speziell Louise lernte gerne neue Leute kennen. Dann konnte sie auch wieder all ihre Geschichten erzählen, die wir schon längst kannten. Zur Feier des Tagestrug sie ein langes, himmelblaues kurzärmeliges Nachthemd mit schönen roten Schleifen am Hals und um den Oberarmen. Ein Gedicht in rot und blau und so lang, dass man ihre Pantoffeln, gelb mit einem grünen Sternchen auf dem Großzeh, nicht sehen konnte.Die erste Hälfte der Therapie verlief ohne Probleme. Louise war in ihrem Element und schwatze Annemarie, so hiess die Vertreterin, dieHucke voll. Ohne Verschnaufpause sprudelten alte und neu Geschichten aus ihrem Mund in ihre Richtung. Am Ende des Gehbarrens setzten wir Louise auf den bereitstehenden Stuhl damit sie ihre Hüften etwas Ruhe geben konnte. Ihr Mund sprudelte einfach weiter. In dem Moment, wo Louise ihre Wortlawine kurz unterbrach um einzuatmen, nutzte ich die Gelegenheit um auch etwas mitzuteilen."Darf ich vorstellen Annemarie, das ist Louise. Sie ist eine ganz nette Patientin, hat aber einen großen Fehler." Ich hatte jetzt die ganzeAufmerksamkeit von beiden Damen. "Und welchen Fehler hätte ich dann Herr Cor (das bin ich)?" sagte sie. "Sie können keine fünf Minutenschweigen. Das haben sie anscheinend völlig verlernt, als sie ins Heim gezogen sind vor 15 Jahren". Sie lachte und sagte, sie könne das ohne Probleme. "Wetten? " sagte ich. " Wetten, dass Sie auf dem Rückweg zum Rollstuhl ihren Mund nicht halten können?" "Um was wetten wir?""Um ein Waffeleis", sagte ich. Ich liebe nämlich Waffeleis. “Abgemacht” sagte sie und besiegelte unsere Wette per Handschlag.“Wollen wir zurück zum Rollstuhl Louise?” fragte ich Sie unmittelbar danach. Schon öffnete sich ihr Mund um zu antworten, sah mich danntriumphierend an und nickte mit dem Kopf. Es ging los. Annemarie griff ihr unter dem linken Arm. Ich tat dem nach, aber unter dem rechten. Ich stellte beiläufig ein paar Fragen an sie, aber kein Wort kam über ihre Lippen. Dann war Schluss. Louise lief nicht mehr weiter. Sie schaute zuerst mich, dann Annemarie an. In stiller Verzweiflung, so erschien es mir. “Ja Louise”, sagte ich verständnisvoll dreinblickend “ ich weiss was Ihr Problem ist. Sie müssen jetzt etwas sagen, sonst gehorchen Ihnen Ihre Beine nicht. Das hat man so bei Automatismen, wie sprechen und so.” Wieder schaute sie uns beide an. Dann seufzte sie tief und sagte mit lauter Stimme: “ Gut, ich muss es leider sagen. Ich kann nicht weiterlaufen. Meine Unterhose ist mir nämlich auf die Pantoffeln abgerutscht”. Wir hoben vorsichtig das Nachthemd ein wenig hoch. Ich hattedie Wette gewonnen…. dank einer Unterhose.


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